Eheberatung, Paarberatung oder Paartherapie: Was passt zu uns?
Wenn es in einer Beziehung über längere Zeit kriselt, suchen viele Paare nach Unterstützung und stoßen auf drei Begriffe: Eheberatung, Paarberatung und Paartherapie. In diesem Artikel erkläre ich, was hinter den Begriffen steckt, wer solche Angebote machen darf, was Studien über die Wirkung zeigen und wie Sie herausfinden, was zu Ihnen passt.
Was ist der Unterschied zwischen Eheberatung, Paarberatung und Paartherapie?
Im Alltag werden die drei Begriffe oft gleichbedeutend verwendet. Keiner von ihnen ist gesetzlich geschützt oder genau definiert. Ob ein Paar verheiratet ist, spielt für keines der Angebote eine Rolle.
In der Praxis gibt es dennoch Unterschiede in der Ausrichtung:
- Paarberatung oder Eheberatung setzt meist an einer konkreten Frage oder einer aktuellen Krise an und ist oft kürzer angelegt.
- Paartherapie geht häufig tiefer. Sie schaut auch darauf, welche Muster sich zwischen beiden eingespielt haben und wie sie entstanden sind.
Die Grenzen sind fließend. Wichtiger als der Name des Angebots ist, wer es anbietet und wie gearbeitet wird.
Wer darf Paarberatung und Paartherapie anbieten?
Gesetzlich geschützt ist die Berufsbezeichnung „Psychotherapeutin“ oder „Psychotherapeut“. Führen dürfen sie im Wesentlichen Menschen mit einer staatlichen Approbation als Psychotherapeutin oder Psychotherapeut, außerdem Psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten sowie Ärztinnen und Ärzte [1].
Das Psychotherapeutengesetz versteht unter Psychotherapie die Behandlung von Störungen mit Krankheitswert. Tätigkeiten, die nur die Aufarbeitung oder Überwindung sozialer Konflikte zum Ziel haben, zählen ausdrücklich nicht dazu [1]. Deshalb dürfen Paarberatung und Paartherapie bei Beziehungsproblemen auch Menschen ohne Approbation anbieten, und die Bezeichnungen „Paarberater“ und „Paartherapeut“ sind nicht geschützt. Fragen Sie ruhig nach, welche Ausbildung jemand hat und mit welcher Methode er oder sie arbeitet.
Wo gibt es kostenfreie Paarberatung?
Das Verzeichnis „Beratungsführer online“ der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung listet mehr als 14.000 Beratungsstellen mit kostenfreier Beratung, für ganz unterschiedliche Anliegen [2]. Über die Suche „Beratung in Ihrer Nähe“ lassen sich Stellen am eigenen Wohnort finden [2].
Für Eltern gibt es außerdem einen gesetzlichen Anspruch: Mütter und Väter, die für ein Kind oder einen Jugendlichen zu sorgen haben oder tatsächlich sorgen, haben im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe Anspruch auf Beratung in Fragen der Partnerschaft [3]. Die Beratung soll helfen, ein partnerschaftliches Zusammenleben in der Familie aufzubauen, Konflikte und Krisen zu bewältigen und im Fall einer Trennung gute Bedingungen für das Wohl der Kinder zu schaffen. Bei Trennung und Scheidung werden Eltern außerdem dabei unterstützt, gemeinsam zu regeln, wie sie die Sorge für die Kinder wahrnehmen [3].
Ein Nachteil kostenfreier Angebote können Wartezeiten sein, und nicht jede Beratungsstelle bietet eine längere Begleitung an.
Wie gut hilft Paartherapie?
Zur Wirkung von Paartherapie gibt es zahlreiche Studien. Drei Ergebnisse geben einen Eindruck:
- Eine Metaanalyse über 58 Studien (40 unabhängige Stichproben) mit zusammen gut 2.000 Paaren verglich die Zufriedenheit mit der Beziehung vor und nach einer Paartherapie. Sie nahm deutlich zu, während sich Paare auf einer Warteliste im gleichen Zeitraum kaum veränderten [4]. Auch Kommunikation und emotionale Nähe wurden besser. Paare, die zu Beginn stärker belastet waren, verbesserten sich im Durchschnitt stärker. Die Verbesserungen hielten in den Nachbeobachtungen überwiegend an [4]. Einschränkung: Untersucht wurden nur Paare aus Mann und Frau [4].
- Eine zweite Metaanalyse aus Münster untersuchte zwei verbreitete Formen, die verhaltenstherapeutische und die emotionsfokussierte Paartherapie, und schloss nur Studien mit zufälliger Gruppenzuteilung ein. Zwischen beiden Formen fand sie keinen Unterschied. Sie fand direkt nach der Therapie mittlere Verbesserungen und nach sechs Monaten noch kleine. Nach zwölf Monaten, untersucht nur für die verhaltenstherapeutische Paartherapie, war kein Vorteil mehr nachweisbar [5]. Die Autorinnen und Autoren raten selbst zur Vorsicht, weil nicht veröffentlichte Studien das Bild verzerren könnten [5].
- Eine amerikanische Studie verglich bei 134 Ehepaaren in schweren, lang andauernden Krisen zwei Formen verhaltenstherapeutischer Paartherapie von rund acht Monaten. Fünf Jahre nach der Therapie war die Zufriedenheit mit der Ehe bei knapp der Hälfte der Paare (46 bis 50 von 100) deutlich besser als vorher. Etwa ein Viertel der Paare hatte sich getrennt oder scheiden lassen [6]. Eine Vergleichsgruppe ohne Therapie gab es nicht.
Zusammengefasst: Paartherapie kann vielen Paaren helfen, wieder besser miteinander umzugehen. Wie dauerhaft die Verbesserung ist, unterscheidet sich zwischen den Studien, und nicht jede Beziehung bleibt bestehen. Ein Ziel kann auch sein, eine Trennung so zu gestalten, dass beide und gegebenenfalls die Kinder sie gut bewältigen.
Was passt zu uns?
Aus meiner Sicht als Psychotherapeut können ein paar Fragen bei der Entscheidung helfen:
- Geht es um eine konkrete Frage, etwa eine anstehende Entscheidung oder einen Konflikt, der erst kurz besteht? Dann kann eine Paarberatung ein guter erster Schritt sein.
- Wiederholen sich dieselben Streitmuster seit Langem, ziehen Sie sich voneinander zurück oder fehlt das Vertrauen? Dann kann eine Paartherapie sinnvoll sein, die auch die Muster dahinter bearbeitet.
- Leidet einer von Ihnen unter einer psychischen Erkrankung, zum Beispiel einer Depression, einer Angststörung oder einer Sucht? Dann kann es sinnvoll sein, diese Erkrankung zuerst oder parallel behandeln zu lassen. Paargespräche können eine solche Behandlung ergänzen.
- Ist einer von Ihnen nicht bereit, gemeinsam zu kommen? Auch dann kann ein Einzelgespräch helfen, die eigene Lage zu sortieren.
Was ist, wenn es Gewalt in der Beziehung gibt?
Wenn einer von beiden Angst vor dem anderen hat oder Gewalt erlebt, sind gemeinsame Paargespräche aus meiner Sicht meist nicht der richtige erste Schritt. Dann geht es zuerst um Sicherheit.
Über die Praxis
Meine Praxis in Düsseldorf bietet Paartherapie an, vor Ort oder online. Kosten, Ablauf und Termine stehen auf der Seite Paartherapie.
Dieser Artikel informiert allgemein und ersetzt keine persönliche Beratung oder Behandlung.
Quellen
- Psychotherapeutengesetz (PsychThG) vom 15.11.2019, § 1 Abs. 1 und 2. gesetze-im-internet.de
- Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung (DAJEB): Beratungsführer online, Stand 13.10.2026. dajeb.de
- Sozialgesetzbuch Achtes Buch (SGB VIII), § 17 Abs. 1 Beratung in Fragen der Partnerschaft, Trennung und Scheidung. gesetze-im-internet.de
- Roddy M. K., Walsh L. M., Rothman K., Hatch S. G., Doss B. D. (2020): Meta-analysis of couple therapy: Effects across outcomes, designs, timeframes, and other moderators. Journal of Consulting and Clinical Psychology 88(7), 583–596. doi:10.1037/ccp0000514
- Rathgeber M., Bürkner P.-C., Schiller E.-M., Holling H. (2019): The Efficacy of Emotionally Focused Couples Therapy and Behavioral Couples Therapy: A Meta-Analysis. Journal of Marital and Family Therapy 45(3), 447–463 (online 2018). doi:10.1111/jmft.12336
- Christensen A., Atkins D. C., Baucom B., Yi J. (2010): Marital status and satisfaction five years following a randomized clinical trial comparing traditional versus integrative behavioral couple therapy. Journal of Consulting and Clinical Psychology 78(2), 225–235. doi:10.1037/a0018132
- Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ (Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben). hilfetelefon.de
- Hilfetelefon „Gewalt an Männern“. maennerhilfetelefon.de
